Schule 2040: Massenpersonalisiertes Lernen?

AltSchool – eine Laborschule für die Zukunft

2013 gründete ein ehemaliger Google CEO in San Francisco die erste AltSchool, gefolgt von weiteren AltSchools in den USA. Die Schüler und Schülerinnen bekommen per App eine personalisierte Playlist an Aufgaben, die sie selbstständig lösen, angepasst an ihre Interessen und Fähigkeiten. Tablet und Computer als ständige Begleiter im Schulalltag und als Mittel zum Sammeln von Daten aus den Laborschulen.

Die Schule gleicht schon auf dem ersten Blick mehr einem StartUp, als einer Schule. Die Organisation erfolgt nicht in den Schulen, sondern im zentralen Headquater. Hier arbeiteten Lehrer*innen Hand in Hand mit Programmierer*innen und stellen das Angebot für die Kinder zusammen. Und als Startup war es, wie es scheint, schon immer gedacht. Heute sind sämtliche Schulen geschlossen und das ehemalige Schulprojekt geht als Unternehmen mit dem Namen Altitude Learning einen anderen Weg. Die auf Basis der gesammelten Daten aus den Laborschulen entwickelte Schulsoftware verkauft es nun an öffentliche und private Schulen.

Die derzeitigen Bildungssysteme werden nicht nur hier in Österreich, sondern auf der ganzen Welt kritisiert und noch kein Land schaffte es bisher, sich zukunftsweisend neu zu orientieren. Gefordert werden allerorts mehr Individualisierung und der Umgang mit neuen Technologien lässt meist zu wünschen übrig. Die Entrepreneure des Silicon Valley dürften hier ihr nächstes großes Ding sehen. Geld und Erfahrung mit Daten ist hier ausreichend vorhanden und damit auch entsprechender Einfluss auf die Politik.

Was könnte das für die Zukunft der Schule bedeuten?

Das Lehrpersonal ist knapp und kommt dem steigenden Anspruch der Individualisierung nicht nach. Noch nie waren die Kinder diverser als jetzt und es ist anzunehmen, dass sich das auch in Zukunft nicht ändern wird. Hier könnte eine massenpersonalisierte Lernsoftware tatsächlich Erleichterung schaffen. Das Individualisieren würde dann sozusagen den Computern überlassen. Ich halte es für durchaus möglich, dass hier in den nächsten zwanzig Jahren so viele Daten gesammelt werden könnten, dass es geeignete Produkte dafür geben wird. Vor allem sehe ich eine Chance darin, die vielfältigen Erstsprachen besser im Unterricht miteinbeziehen zu können.

Ganz auf die Technik verlassen würde ich mich aber auch in Zukunft nicht. Über iPad lässt sich Mathematik und Sachunterricht möglicherweise ganz gut lernen, aber selbst hier ist es manchmal von Vorteil, mit den Händen zu arbeiten. Was uns in Zukunft aber von den Maschinen unterscheiden wird, ist nicht Wissen, sondern die sozialen Fähigkeiten und Kreativität. Und das sind auch die Skills, die im Berufsleben der zukünftigen Generationen von Bedeutung sein werden. Empathie über ein iPad lernen? Das kann ich mir nicht vorstellen.

Wenn wir uns darüber Gedanken machen, wie die Schulen der Zukunft die Kinder auf ihr Leben gut vorbereiten werden, dann halte ich es für wichtig, dass dem Lernen ohne technische Geräte weiterhin eine große Bedeutung zukommt. Technologien dürfen aber nicht fehlen und wenn massenpersonalisiertes Lernen hier eingesetzt werden kann, halte ich es nicht von Grund auf falsch. Die Frage, die ich aber dazu habe, ist: Wer entscheidet dann, was gelernt wird? Denn die Bildung der Kinder ist eine große Verantwortung und wenn nur ein oder wenige Konzerne die Macht darüber bekommen, was den Kindern vorgesetzt wird, dann finde ich das gefährlich.

2 thoughts on “Schule 2040: Massenpersonalisiertes Lernen?”

  1. Das Thema ist meiner Meinung nach ein sehr spannendes. Dass Lernen am Tablet kommt und womöglich auch in gewissen Bereichen gut funktionieren wird, kann ich mir durchaus vorstellen, vor allem bei schon älteren SchülerInnen.
    Was allerdings meiner Meinung nach im Schulwesen nicht vergessen werden darf, ist die Wichtigkeit der Präsenz einer Vorbildrolle. Gerade auch für SchülerInnen, die das Glück einer tatsächlichen Vorbildrolle im privaten Kontext nicht haben, ist es von hoher Bedeutung, zumindest im schulischen Kontext einen Orientierungspunkt oder auch eine Anlaufstelle in Gestalt einer erwachsenen Lehrperson zu haben.
    Dieser Punkt ist, so meine Einschätzung, durch ausschließlich digitale Schule nicht hinreichend abhandelbar. Hier kann der persönliche Kontakt nicht durch ein Medienwiedergabegerät ersetzt werden

  2. Ich bedanke mich für den umfangreichen Blogbeitrag und die interessante Thematik. Tatsächlich habe ich mir nie wirklich Gedanken gemacht, wie es in Zukunft in den Schulen aussehen könnte. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass ich meinen Unterricht irgendwann digital abhalte. Besonders jetzt, wo ich es durch Corona gespürt habe, wie es sein könnte, wenn man digital umsteigt, ist es für mich unvorstellbar. Ich merke, dass mir die sozialen Kontakte sehr fehlen und ich habe die Befürchtung, dass es an Empathie fehlen würde, wenn der Unterricht nicht wie gewohnt mit den Klassenkameraden/innen stattfindet und man sich nur über einen Bildschirm sieht. Ausschließen möchte ich nicht, dass ich in Zukunft öfter die digitalen Medien einsetzen werden, doch eine komplette Umstellung ist für mich undenkbar.

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