{"id":3615,"date":"2020-01-12T20:13:53","date_gmt":"2020-01-12T18:13:53","guid":{"rendered":"http:\/\/podcampus.phwien.ac.at\/digimed\/?p=3615"},"modified":"2020-01-12T20:13:53","modified_gmt":"2020-01-12T18:13:53","slug":"umbruch-im-bildungssystem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/?p=3615","title":{"rendered":"Umbruch im Bildungssystem"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wie entwickelt sich unser Bildungssystem?<\/strong><br>Der Bildungssektor ist seit jeher im Wandel und pr\u00e4gt die Zukunft eines Landes wesentlich, da in Schulen die Sozialisation der Kinder und Jugendlichen geschieht. Die ersten Schulen vor hunderten oder tausenden Jahren waren noch Kindern aus wohlhabenden Familien vorbehalten \u2013 das \u00e4nderte sich in \u00d6sterreich vor allem durch die Einf\u00fchrung der allgemeinen Schulpflicht (1774 unter Maria Theresia). Seitdem haben sich Schulen, die zu vermittelnden Inhalte, die Rolle der Lehrpersonen und die Ausstattung der Klassen stetig ver\u00e4ndert. Das liegt an den unterschiedlichen Anforderungen an die n\u00e4chste Generation, dem (technologischen) Fortschritt, der methodisch-didaktischen Forschung und vielen weiteren Faktoren. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>technische Neuerungen<\/strong><br> Derzeit werden Schulversuche vor allem in Richtung sogenannter \u201eTabletklassen\u201c unternommen. Tablets kommen bei Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen bestimmt gut an, ich bin jedoch skeptisch ob sie den Lernerfolg oder das Verst\u00e4ndnis wirklich steigern. Im Berufsleben sind Computer deutlich verbreiteter als Tablets, daher w\u00fcrde ich den Fokus eher auf den Umgang mit dem Computer legen. In der Hinsicht sind \u00f6sterreichische Schulen auch schon sehr gut ausgestattet \u2013 in jeder Klasse sollte man zwei Computer finden, w\u00e4hrend neue Tablets f\u00fcr jedes Kind enorme Kosten verursachen.  <br><br>Selten findet man auch schon Smartboards in Klassen, diese k\u00f6nnen denke ich einen gro\u00dfen Mehrwert bringen, da man mit Leichtigkeit Bilder und Videos projizieren kann, wovon vor allem visuelle Lerntypen profitieren. Das Angebot an online-Lehrvideos w\u00e4chst au\u00dferdem stetig.  <br><br>Ich kann mir auch vorstellen (bzw. w\u00fcrde ich es mir w\u00fcnschen), dass Virtual Reality Brillen verst\u00e4rkt an Schulen eingesetzt werden. Dies w\u00fcrde Sch\u00fclerInnen noch mehr in das Geschehen bringen \u2013 die Mondlandung durch Virtual Reality selbst mitzuerleben ist beispielsweise etwas, was den Kindern sicher noch lange in Erinnerung bleiben w\u00fcrde. Die Einsatzm\u00f6glichkeiten w\u00e4ren vielf\u00e4ltig, VR-Brillen sind schon ab \u20ac 30,- erwerbbar und wenn man sie im Stationenbetrieb einbindet braucht man sie nicht einmal in Klassenst\u00e4rke. Bis es entsprechende Lernsoftware und Programme daf\u00fcr gibt wird es vermutlich noch dauern, ich hoffe aber sehr, dass sich in der Hinsicht etwas tut in den n\u00e4chsten Jahren! <br><br>Weiters denke ich, dass auch Smartphones zuk\u00fcnftig mehr Einzug in den Unterricht halten k\u00f6nnten. Das setzt ebenfalls neue Software oder Programme voraus, birgt aber viel Potential, da das Interesse der Kinder stark gesteigert werden k\u00f6nnte und sie mit Freude beispielsweise Mathematik \u00fcben, wenn das in ein nettes Spiel verpackt ist.  <\/p>\n\n\n\n<p><strong>w\u00fcnschenswerte \u00c4nderungen<\/strong><br> Derzeit kommen, vor allem in Wien, immer mehr Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen an die Schule. Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass hier schon eine passende Fr\u00fchf\u00f6rderung geschieht \u2013 denn in der Volksschule sollten die Kinder schon soweit Deutsch sprechen und verstehen k\u00f6nnen, um dem Unterricht folgen zu k\u00f6nnen und sich durch diese Sprache neue Inhalte erschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen.  <br><br>Weiters w\u00fcrde ich mir w\u00fcnschen, dass Sch\u00fclerInnen in ihrer weiteren Schullaufbahn \u00f6fter die Wahl haben welche Kurse sie besuchen m\u00f6chten. Ich halte es beispielsweise f\u00fcr fragw\u00fcrdig, wieso man alle Sch\u00fclerInnen zu einer Mathematik-Zentralmatura zwingt. F\u00fcr viele Berufsgruppen (z.B. Kindergartenp\u00e4dagogIn) sind h\u00f6here Mathematikkenntnisse nicht relevant, dennoch \u201equ\u00e4lt\u201c man s\u00e4mtliche Bakip\/Bafep Sch\u00fclerInnen und schm\u00e4lert dadurch oft ihr Selbstbewusstsein. Hier sollte man finde ich die M\u00f6glichkeit haben, eine andere Lehrveranstaltung zu besuchen und den Mathematikunterricht auf einen Basic-Kurs zu reduzieren, wo die grundlegenden Mathekenntnisse gefestigt werden  <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Meinung (Denise Schefts)<\/strong><br>F\u00fcr die Zukunft als angehende Lehrerin, w\u00fcnsche ich mir passende R\u00e4umlichkeiten, um bewegten und projektbezogenen Unterricht gut durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen. Kinder und Lehrpersonen sollen einen Wertsch\u00e4tzenden Umgang miteinander haben und Unterricht soll Spa\u00df machen. Die Kinder sollen Dinge lernen, die sie in Zukunft brauchen werden. <br> <br>Auch f\u00fcr Studierende w\u00fcrde ich mir einen praxisn\u00e4heren Unterricht w\u00fcnschen. Wir verbringen viel zu viel Zeit an der PH mit Seminaren, die leider oft nicht sonderlich lehrreich sind. Das liegt nicht am Inhalt an sich, doch ich finde, dass vieles, von dem was man h\u00f6rt, sp\u00e4ter gar nicht umgesetzt wird. Wir lernen zum Gro\u00dfteil an unseren Praxistagen von unseren Mentorinnen und Mentoren oder von unseren eigenen Erfahrungen. <br> <br>Ich denke aber, dass die Zukunft etwas anders aussehen wird. Tablets und Computer werden immer mehr eingef\u00fchrt, was an sich gut ist, nur finde ich, dass die Technik in der Klasse nicht \u00dcberhand nehmen sollte, doch ich denke so wird es irgendwann kommen. Die Whiteboards, die eigentlich viele M\u00f6glichkeiten bieten, haben nach meinen Erfahrungen als Sch\u00fclerin und Studentin in der Praxis, mehr Probleme verursacht, als sie n\u00fctzlich waren.&nbsp; Auch in Bezug auf Integration, werden wir wahrscheinlich eher einen Schritt zur\u00fcckgehen als nach vorne. Es macht keinen Sinn, Kinder mit einer anderen Erstsprache von Kindern mit Deutsch als Erstsprache zu trennen. Man lernt im Gespr\u00e4ch mit anderen in der zu lernenden Sprache und nicht indem man seine Muttersprache spricht und Deutsch nur im Unterricht. <br> <br>Auch die LehrerInnen Ausbildung wird wahrscheinlich in eine \u00e4hnliche Richtung gehen. Es werden immer mehr Power Point Pr\u00e4sentationen und die Arbeitsauftr\u00e4ge werden immer theoretischer. Theorie ist zwar auch sehr wichtig, aber bei einem \u00dcberschuss an Informationen bleibt bei den meisten auf Dauer nichts h\u00e4ngen.  <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Meinung (Thomas Gaier)<\/strong><br>Ein Schwerpunkt, der beim Blick auf \u00d6sterreichs Schulen unschwer zu erkennen ist, ist der Trend zur gesunden Ern\u00e4hrung. \u00dcber drei Viertel der Wiener Schulen deklarieren sich bereits als \u201eWasserschulen\u201c, Tendenz steigend. Dabei erhalten die Sch\u00fclerInnen gratis Wasserflaschen und werden, durch p\u00e4dagogische Ma\u00dfnahmen, laufend daran erinnert diese auch zu benutzen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich in naher Zukunft alle Schulen diesem Konzept verpflichten. Weiters d\u00fcrfen sich bereits \u00fcber 100 Schulen in Wien \u201eGesundheitsf\u00f6rdernde Schule\u201c nennen. Auch diese Anzahl wird sich in den n\u00e4chsten Jahren vervielfachen. Ungesunde Schulen sind out!<br> <br> In diesem Kontext w\u00fcrde ich mir f\u00fcr unsere Schulen w\u00fcnschen, dass die Politik die verpflichtende t\u00e4gliche Turnstunde durchsetzt. Dies h\u00e4ngt stark mit der zuk\u00fcnftigen Regierung zusammen, derzeit schaut es tats\u00e4chlich danach aus, dass die t\u00e4gliche Turnstunde bald Realit\u00e4t werden k\u00f6nnte.<br> <br> Ein weiterer Trend, der sich nun seit einigen Jahren abzeichnet, ist die Digitalisierung der Klassenzimmer. Interaktive Whiteboards statt gr\u00fcnen Tafeln, Beamer anstatt der bereits ausgedienten Overheadprojektoren und Tablets statt Heften. Hier hoffe ich, dass die Schulen einen Mittelweg gehen. Kinder h\u00e4ngen in ihrer Freizeit schon inflation\u00e4r lange an Bildschirmen, in der Schule sollte dies auch nicht noch im \u00dcberma\u00df gef\u00f6rdert werden. Whiteboards lassen sich auf verschiedenste Weise verwenden und bringen viele Vorteile mit sich, ich denke an dieser Neuerung wird kein Weg vorbeif\u00fchren. Skeptisch bin ich bei der Einbindung von Tablets in den Unterricht. Solange diese sinnvoll in den Unterricht integriert werden, k\u00f6nnen sie einen gro\u00dfartigen Mehrwert einbringen. Auf keinen Fall aber, sollte das Tablet oder \u00e4hnliche technische Errungenschaften, Stift und Heft permanent aus dem Unterricht verdr\u00e4ngen. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass dies auch nicht passieren wird.<br> <br> Gesellschaftlich stehen wir im Bildungssystem auch vor gro\u00dfen Herausforderungen. In der Schule wird sich (mit)entscheiden, ob und wie gut die Integration, der nach \u00d6sterreich Gefl\u00fcchteten, funktioniert. Ich denke, dass es in dieser Hinsicht essenziell sein wird, von den neu eingef\u00fchrten Deutschklassen wieder Abstand zu nehmen. Dass \u201eZusammenwerfen\u201c von Kindern mit Migrationshintergrund in eigene Klassen, kann der Integration nicht dienlich sein. Stattdessen hoffe ich, dass mehr Geld f\u00fcr gezielte und inklusive F\u00f6rderung dieser Kinder, seitens der Politik, in die Hand genommen wird. <br> <br> F\u00fcr die Ausbildung der zuk\u00fcnftigen Lehrerinnen und Lehrern w\u00fcnsche ich mir mehr Praxisn\u00e4he im Studium. Der Trend geht derzeit leider in die andere Richtung. Ich denke nicht, dass es ein bildungswissenschaftliches Doktorat braucht, um einer P\u00e4dagogischen Hochschule zu unterrichten. Stattdessen sollten verdiente VolksschullehrerInnen wieder die M\u00f6glichkeit erhalten, ihre Erfahrung an werdende LehrerInnen weiterzugeben, um so die Seminare weg von stupiden Seminararbeiten und hin zum praxisnahen Arbeiten zu bringen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/podcampus.phwien.ac.at\/digimed\/files\/2020\/01\/Interview-fertig.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Res\u00fcmee<\/strong><br>Die vier eingeholten Meinungen unterscheiden sich eigentlich nur geringf\u00fcgig. Die digitalen Medien sind bei uns allen ein gro\u00dfes Thema und unsere Meinungen sind sehr \u00e4hnlich. Es kann Vorteile bringen, aber zu viel davon m\u00f6chte auch niemand. Der Grundgedanke ist, den Kindern die Grundlagen beizubringen, sie aber nicht durchgehend vor technische Ger\u00e4te zu setzen. <br>Ein anderer, wichtiger Aspekt ist die Integration. Die Meinung, dass Deutschklassen nicht die beste L\u00f6sung sind, wurde stark vertreten. Hierbei muss, f\u00fcr die Zukunft, eine bessere L\u00f6sung gefunden werden. Entweder man beginnt daf\u00fcr bei der LehrerInnen-Ausbildung oder direkt an den Schulen.  <br><br>Alles in Allem wollen die Lehrpersonen nur das Beste f\u00fcr die Kinder und die M\u00f6glichkeiten gut unterrichten zu k\u00f6nnen. Wie man im Interview erf\u00e4hrt, haben sich Schulen und Bildung schon stark zum Positiven gewendet. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser positive Trend fortsetzt und gerade wir als angehende GrundschullehrerInnen k\u00f6nnen einen wesentlichen Beitrag dazu leisten!<br><br>Bildquelle: Von Unukorno &#8211; Eigenes Werk, CC BY 3.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=37514661<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie entwickelt sich unser Bildungssystem?Der Bildungssektor ist seit jeher im Wandel und pr\u00e4gt die Zukunft eines Landes wesentlich, da in Schulen die Sozialisation der Kinder und Jugendlichen geschieht. 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