{"id":4017,"date":"2020-06-09T11:34:32","date_gmt":"2020-06-09T09:34:32","guid":{"rendered":"http:\/\/podcampus.phwien.ac.at\/digimed\/?p=4017"},"modified":"2020-06-09T11:34:32","modified_gmt":"2020-06-09T09:34:32","slug":"wird-unsere-gesellschaft-durch-roboter-entmenschlicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/?p=4017","title":{"rendered":"Wird unsere Gesellschaft durch Roboter entmenschlicht?"},"content":{"rendered":"\n<p>Was ist Robotik? Und seit wann gibt es eigentlich Roboter?<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten Roboter kamen in den 1960er Jahren auf den Markt und wurden in der Industrie im Fertigungsprozess eingesetzt. Heute sprechen wir schon von der 4. Generation von Robotern, die nicht mehr nur einfache T\u00e4tigkeiten in der Fertigungsindustrie verrichten, sondern auch autonom und \u201esmart\u201c agieren k\u00f6nnen. Im Unterschied zu programmierbaren Robotern k\u00f6nnen autonome Roboter ihre Aufgaben gro\u00dfteils selbst\u00e4ndig ausf\u00fchren. Sie sind mit Sensoren und Kontrollsystemen ausgestattet und k\u00f6nnen sich den Gegebenheiten anpassen. Sie k\u00f6nnen Situationen analysieren und entsprechend darauf reagieren. (<a href=\"https:\/\/epub.oeaw.ac.at\/0xc1aa5576%200x00371074.pdf\">https:\/\/epub.oeaw.ac.at\/0xc1aa5576%200&#215;00371074.pdf<\/a> )<\/p>\n\n\n\n<p>Robotik ist ein interdisziplinares Fach, dass Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik kombiniert. Es handelt sich um ein Forschungsgebiet, das sich stark entwickelt und einige ethische und rechtliche Fragen aufwirft, besonders im Bereich der sozialen Robotik. Durch die steigende Zahl an pflegebed\u00fcrftigen Menschen in der Bev\u00f6lkerung, sind vor allem humanoide (menschen\u00e4hnliche) Roboter im Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit. Die Robotik-Professorin Dr. Dongheui Lee (Technische Universit\u00e4t M\u00fcnchen) bringt Robotern menschliches Verhalten bei. (<em>Mensch, Maschine!<\/em> Business Vogue, 01\/2020) Sie sollen den Menschen in Zukunft das Leben erleichtern, indem sie zum Beispiel das Abendessen zubereiten. Roboter sollen durch Imitation lernen, mit dem Ziel, dass sie sich eines Tages autonom unter Menschen bewegen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Entwicklungsbericht <em>Robotik in \u00d6sterreich<\/em> (Projektbericht Nr. 2017-03 | ISSN: 1819-1320 | ISSN-Online: 1818-6556) zeigt, dass die Robotik nicht nur in der Industrie und im Sozialbereich, sondern praktisch in allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen ein Thema ist und zum Einsatz kommen soll bzw. schon kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gesundheitsbereich findet die Robotik bereits Anwendung im Bereich der Prothesen (Exoskelette, steuerbare Prothesen), Chirurgie (Medizin-Roboter operieren millimetergenau) und bei der Therapie und Rehabilitation. Im Konsumbereich kennen wir Roboter als Haushaltsger\u00e4te, wie den selbstfahrenden Staubsauger, aber auch in der Landwirtschaft und beim Milit\u00e4r kommen Roboter zum Einsatz. Technisch wird immer mehr m\u00f6glich, wir sind kurz davor, unsere Autos nicht mehr selbst zu steuern und wir m\u00fcssen uns die Frage stellen, ob wir wirklich immer mehr T\u00e4tigkeiten, die bisher von ganzen Berufsgruppen \u00fcbernommen wurden, an Maschinen \u00fcbertragen wollen. Wenn immer weniger Menschen T\u00e4tigkeiten \u00fcbernehmen, bei denen der soziale Kontakt eine gro\u00dfe Rolle spielt, wie zum Beispiel in der Pflege, wird dann unsere Gesellschaft entmenschlicht? Auf welcher Basis werden Entscheidungen getroffen? Wer haftet, wenn etwas passiert und wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Und wie ist die Gefahr von Hackerangriffen einzusch\u00e4tzen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bef\u00fcrworter des Pflegeroboters sehen in dieser Entwicklung den Vorteil, dass \u00e4ltere Menschen l\u00e4nger selbst\u00e4ndig zu Hause leben k\u00f6nnen. Das ist auch von politischem Interesse, da die Anzahl der Pflegebed\u00fcrftigen jedes Jahr steigt. Verdeutlicht wird das in der folgenden Statistik:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"481\" height=\"288\" src=\"https:\/\/podcampus.phwien.ac.at\/digimed\/files\/2020\/06\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4035\" srcset=\"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/image.png 481w, https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/image-300x180.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 481px) 100vw, 481px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/podcampus.phwien.ac.at\/digimed\/files\/2020\/06\/image-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4037\" width=\"245\" height=\"80\" srcset=\"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/image-1.png 580w, https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/image-1-300x97.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 245px) 100vw, 245px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Quelle: Statista Austria<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pepper, der Pflegeroboter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Pepper<\/em> ist ein humanoider Roboter, der von Aldebaran Softbank Robotics entwickelt wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"376\" height=\"437\" src=\"https:\/\/podcampus.phwien.ac.at\/digimed\/files\/2020\/06\/pepper.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4019\" srcset=\"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/pepper.jpg 376w, https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/pepper-258x300.jpg 258w\" sizes=\"auto, (max-width: 376px) 100vw, 376px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Roboter Pepper: <a href=\"https:\/\/www.probo-robotics.at\/\">https:\/\/www.probo-robotics.at\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Pepper ist 120 cm gro\u00df und 28 kg schwer. Von seiner Statur her \u00e4hnelt er einem jungen Mann, seine gro\u00dfen Augen entsprechen dem Kindchenschema. Der Roboter wirkt dadurch attrakiver und \u201eunschuldig\u201c. Je mehr ein Roboter aussieht wie ein Mensch, desto eher wird er auch vom Menschen angenommen werden. Pepper kann zuh\u00f6ren, sprechen, die Mimik seines Gegen\u00fcbers analysieren und entsprechend darauf reagieren. Der Roboter soll auch in der Kundenbetreuung eingesetzt werden, ein positives, humanoides Aussehen ist daher unerl\u00e4sslich.<\/p>\n\n\n\n<p>Roboter wie Pepper sind also in der Lage anhand von Gesichtsausdruck, K\u00f6rperhaltung und Stimmlage eines Menschen, dessen Gef\u00fchlslage einzusch\u00e4tzen und eine passende Reaktion zu zeigen. Damit entlastet er Kundenbetreuer in Unternehmen und Pflegepersonal in Alten- und Pflegeheimen. In der Folge werden Arbeitskr\u00e4fte allerdings nicht nur entlastet, sondern auch ersetzt. Hier stellt sich die Frage, ob die Menschen gerade viel Geld in eine Technologie investieren, die uns in Zukunft die Arbeitspl\u00e4tze wegnehmen wird? Prof. Dongheui sagt in der Business Vogue vom April 2020: \u201eAber grunds\u00e4tzlich geht es nicht darum, dass Roboter Menschen den Job wegnehmen, sondern dass sie die h\u00e4sslichen und gef\u00e4hrlichen Jobs \u00fcbernehmen.\u201c Entspricht das den Tatsachen? Ist Pflege ein \u201eh\u00e4sslicher und gef\u00e4hrlicher\u201c Beruf? Sind der Empfang und die Betreuung von Kunden in einem Unternehmen ein h\u00e4sslicher Beruf?<\/p>\n\n\n\n<p>Lisa Rosa beschreibt in ihrem Blogbeitrag &nbsp;<a href=\"https:\/\/shiftingschool.wordpress.com\/2017\/11\/28\/lernen-im-digitalen-zeitalter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Lernen im digitalen Zeitalter.<\/a> die Auswirkungen, die die neuen Technologien auf unser Leben haben werden: Der Computer wird bis 2050 die H\u00e4lfte aller heutigen Arbeitspl\u00e4tze, sowie die Berufe, die dahinter stehen,&nbsp; vernichten. Das betrifft nicht nur die industrielle Produktion, sondern auch T\u00e4tigkeiten in Verwaltung und Dienstleistungsberufe. Die neuen Arbeitspl\u00e4tze, die durch diese technologische und gesellschaftliche Ver\u00e4nderung geschaffen werden, stehen in keinem Verh\u00e4ltnis dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Je mehr Roboter eingesetzt werden, desto mehr werden zwischenmenschliche Kontakte reduziert. In der Psychologie ist schon lange das Ph\u00e4nomen der Deprivationsst\u00f6rung bekannt: Man versteht unter diesem Begriff eine physische und psychische St\u00f6rung, die dadurch entsteht, dass Kinder \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitpunkt zwar k\u00f6rperlich versorgt werden, aber kaum pers\u00f6nliche Zuwendung einer konstanten Bezugsperson erfahren. (<a href=\"https:\/\/lexikon.stangl.eu\">https:\/\/lexikon.stangl.eu<\/a>) Ist eine Maschine eine konstante Bezugsperson? Wollen wir wirklich, dass die Bewohner eines Altenheims mit einem Roboter sprechen m\u00fcssen, wenn sie etwas trinken m\u00f6chten? Gerade bei der Betreuung von alten und kranken Menschen geht es um mehr als die Erf\u00fcllung von physischen Bed\u00fcrfnissen. Der soziale Kontakt, ein freundliches Wort, eine pers\u00f6nliche Geschichte aus dem Alltag eines anderen, eine Ber\u00fchrung, ein Blick, \u2026. Das alles ist auch Medizin f\u00fcr pflegebed\u00fcrftige Menschen und ist durch eine Maschine nicht gleicherma\u00dfen durchf\u00fchrbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Technik darf nie menschliche Zuwendung ersetzen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist Robotik? Und seit wann gibt es eigentlich Roboter? Die ersten Roboter kamen in den 1960er Jahren auf den Markt und wurden in der Industrie im Fertigungsprozess eingesetzt. Heute sprechen wir schon von der 4. Generation von Robotern, die <span class=\"readmore\"><a href=\"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/?p=4017\">Continue Reading<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":82,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[34,27],"tags":[436,425,434,437],"class_list":["post-4017","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ki","category-wissens-und-informationsgesellschaft","tag-humanoider-roboter","tag-iwg-2-20","tag-pflegeroboter","tag-soziale-robotik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4017","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/82"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4017"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4017\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4017"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4017"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4017"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}