{"id":4198,"date":"2020-04-12T10:52:42","date_gmt":"2020-04-12T08:52:42","guid":{"rendered":"http:\/\/podcampus.phwien.ac.at\/digimed\/?p=3809"},"modified":"2020-04-12T10:52:42","modified_gmt":"2020-04-12T08:52:42","slug":"digitale-bildung-wovon-reden-wir-da-ueberhaupt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/?p=4198","title":{"rendered":"Digitale Bildung: Wovon reden wir da \u00fcberhaupt?"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Digitale Kultur, digitale Kompetenzen, digital Natives \u2026 \u00fcberall ist digital \u2013 aber was bedeuten diese Begriffe eigentlich?<\/h4>\n\n\n\n<p>Anstelle einer Einleitung zwei aktuelle Begegnungen aus dem digitalen Alltag. Erstens ein Newsletter der Plattform&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.4teachers.de\/\">4teachers.de<\/a>, auf der sich Blogs, Arbeitsmaterialien, Projektideen u.v.m. finden:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u2026 die Ausstattung von Sch\u00fclern mit mobilen Lern- und Arbeitsger\u00e4ten wird immer wichtiger, um jederzeit und an jedem Ort flexibel und so produktiv wie in der Schule lernen zu k\u00f6nnen.&nbsp;Mit dem HP ProBook x360 11 G5 Education Edition erm\u00f6glichen Sie Ihren Sch\u00fclern maximale Freiheit und revolutionieren das Lernen \u2013 in und au\u00dferhalb der Schule. Das speziell f\u00fcr Sch\u00fcler und Studenten entwickelte Education Convertible Tablet Notebook&nbsp;l\u00e4sst sich auf f\u00fcnf Arten nutzen \u2013 im Notebook-, Stand-, Tent-, Book- oder Tablet-Modus. \u2026 geh\u00f6rt ebenso zur Ausstattung wie die&nbsp;kostenlose Classroom Management Software.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens ein Artikel von&nbsp;<a href=\"https:\/\/orf.at\/stories\/3161494\/\">orf.at<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><em>( \u2026 ) Die Bundesregierung will bis zu 12.000 Computer an Sch\u00fcler an Bundesschulen (AHS, BMHS) verleihen, die bisher mangels entsprechender Ausr\u00fcstung nicht am Heimunterricht teilnehmen konnten.<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Besagte Beitr\u00e4ge m\u00f6gen deshalb von Interesse f\u00fcr eine Betrachtung zur&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Digitalisierung\">Digitalisierung<\/a>&nbsp;sein, weil sie sich auf digitale Weise verbreiten und damit eine Aktualit\u00e4t, Vervielf\u00e4ltigung, Personalisierungsm\u00f6glichkeit, Feedback-M\u00f6glichkeit etc. haben, die im analogen Zeitalter noch nicht m\u00f6glich war. Oder weil sie eben dar\u00fcber hinaus das Digitale \u2013 im konkreten Fall Schul- und Unterrichts-Ma\u00dfnahmen \u2013 zum Thema haben. Auf erster wie auf zweiter Ebene kann man ohne Zweifel endlose Recherchen betreiben und Er\u00f6rterungen verfassen, vor allem zum technischen Aspekt, der&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bin%C3%A4rcode\">bin\u00e4ren<\/a>&nbsp;Verwandlung, dem Wesen der&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Algorithmus\">Algorithmen<\/a>, dem Tempo der Nachrichten etc.<\/p>\n\n\n\n<p>Als mindestens ebenso interessant erachte ich allerdings zwei Aspekte, die hier nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind und deshalb umso bedeutender sein m\u00f6gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten Fall sind es Marketing\/PR, die sich ungekennzeichnet als Informationen kaschieren und objektiv vorgeben, von Nutzen f\u00fcr den Unterricht, die Sch\u00fclerInnen, die Lehrpersonen zu sein. Kurzum, hier h\u00e4ngt sich eine Firma an den Zug der Digitalisierung des Bildungssystems und will damit Gesch\u00e4fte machen \u2013 mit Hard- und Software, die wie markt\u00fcblich die User in ein Netz an meist kostenpflichtige Verbindlichkeiten (Updates, Kompatibilit\u00e4t, Cloudzug\u00e4nge etc.) setzen. Diese Strategien sind f\u00fcr Firmen mit einem entsprechenden Angebot legitim; kritisch wird es allerdings, wenn sie sich \u2013 wie etwa&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mark_Zuckerberg\">Mark Zuckerberg<\/a>&nbsp;\u2013 als Wohlt\u00e4ter aufspielen; wenn es vorrangig darum geht, zuk\u00fcnftige Kunden anzuk\u00f6dern; oder wenn der Softwaregebrauch Daten abwirft, die weiter vermarktet werden.&nbsp;<em>Wer verdient daran?<\/em>&nbsp;muss also eine der wesentlichen (ethischen) Fragen sein, die man sich stellen muss, wenn man sich mit der Digitalisierung auseinandersetzt. (hier&nbsp;<a href=\"https:\/\/nzzas.nzz.ch\/notizen\/die-schonzeit-an-unseren-schulen-ist-vorbei-ld.1300244\">ein Artikel<\/a>&nbsp;aus der NZZ zu diesem Thema). Eine weitere \u2013 die der Bericht auf&nbsp;<a href=\"https:\/\/orf.at\/stories\/3161494\/\">orf.at<\/a>&nbsp;anspricht \u2013 betrifft die soziale Frage: Denn auch wenn vielerorts von der Demokratisierung infolge der Digitalisierung die Rede ist, vom gest\u00e4rkten Mitspracherecht und der besseren Zug\u00e4nglichkeit zu Bildung, gibt es die H\u00fcrden, die sich aus der Zugeh\u00f6rigkeit zu einer sozialen Schicht ergeben. Und im Zuge der Covid-19-Ma\u00dfnahmen ist eben sehr deutlich geworden, dass Sch\u00fclerInnen aus sogenannten bildungsfernen Schichten vom Fernunterricht paradoxer- oder logischerweise am wenigsten profitieren, dass sie vielmehr sogar unerreichbar werden. Die H\u00fcrden aus analogen Zeiten, etwa aus den Untersuchungen&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pierre_Bourdieu\">Bourdieus<\/a>&nbsp;oder&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Basil_Bernstein\">Bernstein<\/a>, sind also nicht nur genauso g\u00fcltig, sie scheinen sich unter bestimmten Bedingungen sogar noch zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen Ans\u00e4tzen m\u00f6chte ich zeigen, dass eine Diskussion zum Thema Digitalisierung so komplex wie kompliziert ist, ja sein muss. Das beginnt schon damit, welche \u2013 oft unbewusste \u2013 Einstellung man dazu hat: Sieht man die Digitalisierung als Revolution, gar als Tsunami, den vorwiegend nordamerikanische Unternehmen und Geheimdienste erzeugt haben, um sich den Markt und dann die ganze Welt untertan zu machen? Sieht man sich die Geschichten von&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Edward_Snowden\">Edward Snowden<\/a>&nbsp;oder&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Julian_Assange\">Julian Assange<\/a>&nbsp;an, entsprechende&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Digitaler-Kapitalismus-Herrschaft-%C3%96konomie-Unknappheit-ebook\/dp\/B07RD6N5C7\/ref=reads_cwrtbar_8?_encoding=UTF8&amp;pd_rd_i=B07RD6N5C7&amp;pd_rd_r=cd4a94a1-014e-48c7-8b00-695bcc9a3fb7&amp;pd_rd_w=hNkc3&amp;pd_rd_wg=iWHbt&amp;pf_rd_p=3d392906-6f26-4fdc-a797-3023a0461c17&amp;pf_rd_r=F4J8N2JXQ09TVDSBNN1D&amp;psc=1&amp;refRID=F4J8N2JXQ09TVDSBNN1D\">B\u00fccher<\/a>&nbsp;(warum genau dieser Anbieter und diese Verweise, Referenzen \u2026?) muss man fast auf diese Sichtweise verfallen. Andererseits k\u00f6nnte man sich dem Thema auch etwas distanzierter widmen, aus historischer, soziologischer Sicht, wie es etwa Armin Nassehi in seinem Buch&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.chbeck.de\/nassehi-muster\/product\/27704288\">Muster<\/a>&nbsp;tut. Dann sieht man die Digitalisierung als logische, fast zwingende Transformation, die sich \u2013 \u00e4hnlich wie der Buchdruck im 16. Jh. \u2013 aus den wirtschaftlichen und sozialen Umw\u00e4lzungen im 19. Jh. ergeben hat. Und die, so Nassehi, ja vor allem auch deshalb diesen unglaublichen umfassenden Siegeszug angetreten hat, weil sie schlichtweg so sagenhaft gut funktioniert, oder? Ein Blick auf das Smartphone, auf seine Entwicklung und Verwendung in den letzten zehn Jahren, auf sein Eindringen in so gut wie alle Lebensbereiche von Navigation \u00fcber Gesundheit bis Partnersuche reicht alleine schon aus, um diese Transformation zu verdeutlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nichtsdestotrotz sehen viele LehrerInnen das Digitale noch immer beschr\u00e4nkt auf seinen technischen Aspekt. Der konservative Frontal-Unterricht erlebt dann eben seine Fortsetzung als Einbahn-Youtube-Video, das Tablet ist nichts weiter als eine neue Version des Schulbuchs. Auch hier mag das Digitale funktionieren, aber es funktioniert vor allem als Verst\u00e4rker, wie es der P\u00e4dagoge J\u00f6ran Muu\u00df-Merholz in diesem&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/apuz\/293120\/der-grosse-verstaerker-spaltet-die-digitalisierung-die-bildungswelt?p=all\">Essay<\/a>&nbsp;darstellt. Prinzipien und Methoden des Frontalunterrichts k\u00f6nnen so mittels digitaler Medien noch um den Aspekt der l\u00fcckenlosen Kontrolle und \u00dcberwachung verst\u00e4rkt werden, w\u00e4hrend reformp\u00e4dagogische Ans\u00e4tze ebenso neue M\u00f6glichkeiten entfalten k\u00f6nnen. Doch diese Ans\u00e4tze greifen eben zu kurz, sie nehmen nicht den gesellschaftlichen Wandel in den Blick, den die Digitalisierung mit sich gebracht hat. Die Lehrerfortbildnerin Lisa Rosa hat zu diesem Thema eben so gut verst\u00e4ndliche wie kluge&nbsp;<a href=\"https:\/\/schulendigital.ch\/2018\/08\/14\/aufbruch-in-ein-zeitalter-des-lernens\/\">Beitr\u00e4ge<\/a>&nbsp;verfasst wie der P\u00e4dagoge&nbsp;<a href=\"https:\/\/axelkrommer.com\/2019\/04\/12\/paradigmen-und-palliative-didaktik-oder-wie-medien-wissen-und-lernen-praegen\/\">Axel Krommer<\/a>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Erst auf Basis solch einen umfassenden Verst\u00e4ndnisses, das die Digitalisierung eben aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und neben den technischen Aspekten auch die zahlreichen Chancen, aber auch Risiken und Profiteure in Betracht zieht, l\u00e4sst sich meines Erachtens eine sinnvolle Diskussion f\u00fchren. Sonst ist man allzu leicht geneigt, in euphorischen Aktionismus zu verfallen wie etwa meiner Meinung nach Christoph Meinel in diesem&nbsp;<a href=\"https:\/\/hochschulforumdigitalisierung.de\/de\/blog\/christoph-meinel-hpi-vision-zukunft-digitale-bildung\">Beitrag<\/a>, auf den sich auf derselben Plattform&nbsp;<a href=\"https:\/\/hochschulforumdigitalisierung.de\/de\/blog\/humboldt-ueberwinden-warum-digitale-bildung-nicht-aus-der-vergangenheit-gedacht-werden-kann\">eine gute Replik<\/a>&nbsp;findet, die den Bildungsbegriff eben nicht nur den Softwareentwicklern \u00fcberlassen will; oder man verf\u00e4llt in einen Wertekonservatismus wie beispielsweise der P\u00e4dagoge&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.fbzhl.fau.de\/2019\/02\/19\/klaus-zierer-lernen-4-0-paedagogik-vor-technik-moeglichkeiten-und-grenzen-einer-digitalisierung-im-bildungsbereich\/\">Klaus Zierer<\/a>, der \u00c4pfel mit Birnen verwechselt und Probleme dort sieht, wo vielleicht gar keine sind, wie wiederum Axel Krommer in einer&nbsp;<a href=\"https:\/\/axelkrommer.com\/2018\/04\/16\/warum-der-grundsatz-paedagogik-vor-technik-bestenfalls-trivial-ist\/\">Entgegnung<\/a>&nbsp;meint.<\/p>\n\n\n\n<p>Als LehrerIn sollte man sich mit solchen Fragen auseinandersetzen, bevor man auf die tats\u00e4chlich unz\u00e4hligen Angebote aus Hard- und Software zugreift, die aktuell verf\u00fcgbar sind. Ein best-practice-Kompendium liefert etwa die Bertelsmann-Stiftung mit diesen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/fileadmin\/files\/BSt\/Publikationen\/GrauePublikationen\/Download_IB_10_Praxisbeispiele_151117.pdf\">zehn Beispielen<\/a>&nbsp;aus deutschen Schulen. Wobei einen die weiterf\u00fchrenden Links \u2013 etwa zu&nbsp;<a href=\"https:\/\/kahoot.com\/\">Kahoot<\/a>&nbsp;oder&nbsp;<a href=\"https:\/\/start.sketchometry.org\/\">Sketchometry<\/a>, zu&nbsp;<a href=\"https:\/\/education.skype.com\/\">Mystery-Skype<\/a>&nbsp;und anderen&nbsp;<a href=\"https:\/\/learningapps.org\/\">Learning-Apps<\/a>&nbsp;\u2013 auch zum Beginn dieses Blogbeitrags f\u00fchren sollten, zu den Fragen nach den Profiteuren, nach den H\u00fcrden \u2026 und zu den vernetzten Referenzen und Antworten, die sich daraus in bester digitaler Weise ergeben sollen.<\/p>\n\n\n\n<iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/medienarchiv.phwien.ac.at\/file_embed?file=6532&amp;embed_description\" border=\"0\" scrolling=\"no\" width=\"100%\" height=\"350\"><\/iframe>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Digitale Kultur, digitale Kompetenzen, digital Natives \u2026 \u00fcberall ist digital \u2013 aber was bedeuten diese Begriffe eigentlich? <span class=\"readmore\"><a href=\"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/?p=4198\">Continue Reading<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":72,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,15,37,40,27],"tags":[110,113,419],"class_list":["post-4198","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienkompetenz","category-padagogik","category-schule4-0","category-vernetzung","category-wissens-und-informationsgesellschaft","tag-digitale-bildung","tag-digitalisierung","tag-iwg-1-20"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4198","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/72"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4198"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4198\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4198"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4198"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/digimed.phwien.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4198"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}