Digitalisierung analoger Videos

Unzählige Aufnahmen auf sperrigen Videokassetten füllen in vielen Haushalten Kästen, Laden, Kartons. Man will und kann sich nicht von ihnen trennen. Sei es, weil es sich um eine Sammlung von Aufnahmen von früheren Fernsehsendungen handelt, Aufnahmen die aus der Sicht der heutigen Jugend bis in die digitale Steinzeit der 1970er und 1980er Jahre zurückreichen. Oder auch, dass es sich um selbstgedrehtes Videomaterial handelt, das zumeist Familienaufnahmen enthält. „Selbstgedreht“, auch so eine anachronistische Bezeichnung, die wiederum in die Steinzeit des Filmschaffens zurückgeht, in eine Zeit, in der wirklich an einer Kurbel gedreht wurde, um Filmaufnahmen zu machen.

Nachdem der Kauf eines Videorekorders als Abspielgerät schon schwierig und ein teures Unterfangen sein kann, und man mit dem Ableben des eigenen Abspielgeräts aber rechnen muss, gilt es zu überlegen, ob und wie man diese, einem ans Herz gewachsene Aufnahmen, bei Familienaufnahmen sogar unwiederbringlich, ins 3. Jahrtausend retten, also digitalisieren sollte. (Bei Video2000, Betamax und Video8 gibt es sowieso keine Neugeräte mehr, bei VHS und S-VHS sieht die Situation noch besser aus).

Die Aufnahme auf dem magnetisierten aufgerollten Kunststoffband wird schon noch länger Bestand haben, aber wenn es keinen funktionstüchtigen Dekoder – um hier gleich mal einen Fachausdruck zu bemühen – gibt, also ein Abspielgerät, das die Magnetisierung auslesen kann und für uns Humanoide verständlich in Bild und Ton übersetzt (dekordiert), so hilft auch der sorgsamste Umgang mit den Videokassetten nicht mehr weiter.

Auch ich bin vor einigen Jahren vor diesem Problem gestanden und habe dann eine Lösung gefunden, die ich hier kurz beschreiben möchte. Es ist bei Weitem nicht die einzige und möglicherweise auch nicht die beste Lösung. Sie war aber nicht teuer und hat mich für einen auf diesem Gebiet kompletten Laien nicht überfordert und die Ergebnisse waren für mich ausreichend gut, wenn auch nicht perfekt.

Die Lösung besteht aus einem System der dt. Firma TerraTec aus der Grabbster Serie, dem „Grabby“. Es setzt sich aus einer Hardware, dem eigentlichen Videograbber (siehe Infobox) mit zugehörigem Treiber und einer Gratisvideosoftware der Firma Magix zusammen. Hier handelt es sich nicht um die Vollversion, aber um eine ausreichende Version, um die Filme zu „capturen“ und am Rechner abzuspeichern. Der Upgrade auf die käuflich erwerbbare Vollversion ist möglich. Man kann aber zum Capturen und für die Bearbeitung natürlich auch eine andere SW verwenden. Mit dabei sind auch drei Chinch-Verbindungskabel, um den Grabber an den Videorekorder anzuschließen. Ein SCART-Adapter ist in der Grundausstattung nicht enthalten, war aber für mich nicht notwendig.

Infobox:
Unter Videograbbing versteht man das Einfangen (engl: capturing aber auch grabbing) von digitalen Einzelbildern (engl. frames) beim Abspielen eines (z.B. analogen) Videos. Geläufig ist daher auch die Bezeichnung Framegrabbing.

Bei Videokonverter werden zwei Systeme unterschieden: Hardware- oder Software-Renderer. Bei der Hardwarelösung wird das Kodieren in der HW durchgeführt und es kommt nur mehr Komprimiertes an den PC. Bei der SW-Lösung kommt der gesamte Datenstrom unkomprimiert in den Rechner und wird dort umgewandelt und komprimiert. Beim „Grabby“ handelt es sich um einen SW-Renderer. Weitere Infos bei TweakPC

terratec_grabbyDer Videograbber „Grabby“ (siehe Bild) ist geeignet für einen Windows PC bzw. ein Notebook mit USB Anschluss. Der Grabby bietet einen USB 2.0 Anschluss und folgende analoge Eingänge: Composite (über RCA Stecker vulgo „Cinch“) und S-Video, Stereo Audio (RCA/Cinch). Unterstützt werden vom „Grabby“ die Videostandards: PAL aber auch NTSSC und SECAM. Das System ist dafür gedacht, das Filmmaterial schlussendlich auf DVDs zu brennen, daher gibt es auch nur einen MPG2 Codec. Ich habe aber keine DVDs gebrannt, sondern sammle diese MPG2-Videos auf einer externen Festplatte und ich betrachte sie mittels digitalem Mediaplayer.

Ich habe ein paar Tage herumprobiert, bis ich für den Grabber eine Einstellung gefunden habe, die eine für mich ausreichend passable Videoqualität lieferte. Ich war aber hier nicht sehr anspruchsvoll, es ging mir nur mal darum, die Familienaufnahmen in dieses Jahrtausend zu retten. Ich habe den Grabber unter Windows XP benutzt, er unterstützt inzwischen auch Win7 und Win8.
Es scheint aber manchmal Probleme bei der Installation des Treibers zu geben. Ich habe in einer Rezension zum „Grabby“ nachstehende Anleitung dazu gefunden (Ich zitiere aus dieser Rezension, aber nicht ganz wortwörtlich, der Orginaltext ist hier zu finden: Rezensionen verfasst von A. W.):


Lösung für alle, die ein Problem mit der Treibererkennung haben.
Man muss Windows sagen, welchen Treiber es einsetzen soll; das geht so:

Treiber wie in der Anleitung installieren, Gerät einstecken
(Wenn jetzt Windows meldet : Kein Treiber gefunden) – (Auf Win7):
SystemSteuerung > Gerätemanager > Das TerraTec Device suchen (sollte ein gelbes Dreieck haben) > (rechts Klick auf das Gerät)> Treibersoftware aktualisieren >
„Auf dem Computer nach Treibersoftware suchen“ anklicken → „Aus einer Liste von Gerätetreibern auf dem Computer auswählen“ anklicken >
→ 1. Glück: In der Liste steht schon, „TERRATEC Grabby Rev.2“ , auswählen, weiter, fertig

→  2. Pech : Checkbox bei „kompatible Hardware Anzeige“ löschen, „Hersteller“ TERRATEC (nicht „TerraTec Electronic GmbH“) auswählen, „TERRATEC Grabby Rev.2“ wählen → weiter > fertig
(Übrigens der Weg gilt für alle Geräte, die nicht so einfach die Treiber laden wollen, seit Win95 🙂 PnP, nur so angemerkt….)


Ein gutgemeinter Rat noch zum Schluss:
Wenn man einen Film digitalisiert hat, sollte man sich anschließend die Zeit nehmen, diesen komplett und in Ruhe anzusehen, denn es könnten beim Konvertieren Fehler aufgetreten sein. Bei mir waren es z.B. Tonprobleme, offensichtlich durch einen lockeren SCART-Stecker verursacht. In so einem Fall muss man die ganze Aufnahme (=digitalisieren auf den PC) wiederholen. Das erledigt man am besten gleich, statt sich Jahre später darüber zu ärgern.

Weiterführende Informationen, Quellen und Links:
– Zur Firma TerraTec (wurde 2013 von der Ultron AG übernommen)
– Zum Videograbbing (Framegraber)
– Produktseiten: TerraTec Grabby und Terratec G1 (auch für Mac OS X)
Testbericht und Beschreibung bei TweakPC

 

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